Arri_Grundsteinlegung_Unikorn_Catering_München
Süddeutsche Zeitung 25. Mai 2017

 

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25. Mai 2017, 22:17 Schwabing

 

Praline für die Parkstadt

Arrial, das neue Hauptquartier der Münchner Filmtechnikfirma Arri in der Parkstadt Schwabing, soll Ende 2018 bezugsfertig sein. Das Unternehmen investiert 40 Millionen Euro in das Zukunftsprojekt

Von Stefan Mühleisen

Während draußen die Eisenflechter das Gerüst für das Fundament zusammendengeln, sind im Zelt vor allem die „Leberkäse-Pralinen“ beliebt. Gäste und Gastgeber laden sich die kleinen Brocken mit dem anspruchsvollen Namen auf die Teller. Die Caterer-Vokabel soll wohl die Verbindung von Heimat mit qualitätsvoller Güte bezeichnen – was ganz gut passt zum Anlass für das Buffet, der Grundsteinlegung für die neue Zentrale des weltweit führenden Kamera-Herstellers Arri AG in der Parkstadt Schwabing: Eine traditionsreiche Firma lässt sich in ihrer Heimatstadt ein erlesenes Hauptquartier mit dem Namen „Arrial“ errichten. „Wir sind ein Münchner Unternehmen und wollen es auch bleiben“, sagt Arri-Vorstandsmitglied Jörg Pohlman in seiner Rede vor dem Festzelt und fügt hinzu: „Mit Ausrufezeichen.“

Es ist ein entschiedenes Bekenntnis zum Standort an der Isar. Es kommt von einem in der Filmbranche nahezu legendären Unternehmen, das inzwischen 90 Prozent seines Geschäfts mit Film-Equipment im Ausland erwirtschaftet, einem Global Player auf Wachstumskurs. In den vergangenen zwei Jahren konnte Arri nach eigenen Angaben den Umsatz um 40 Prozent auf 400 Millionen Euro steigern; die Zahl der Mitarbeiter hat sich in vier Jahren verdreifacht auf derzeit weltweit 1300.

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Gut einen Hektar groß ist die Baugrube für das künftige Arri-Hauptquartier.(Foto: Catherina Hess)

Der Stammsitz an der Türkenstraße platzt inzwischen aus allen Nähten, ein neues Domizil mit genügend Platz für Forschung und Entwicklung musste her – Arri fand es auf einem Grundstück an der Ecke Herbert-Bayer-/Wilhelm-Wagenfeld-Straße in der Parkstadt Schwabing, in jener Technologie-Kleinstadt nördlich des Mittleren Rings, wo auch Microsoft, Osram und Amazon Komplexe hochgezogen haben – quasi eine Leberkäse-Praline in einer ganzen Batterie aus High-Tech-Konfekt. So mag sich das auch Bürgermeister Josef Schmid (CSU) vorstellen, der zugleich Wirtschaftsreferent der Stadt ist. Er macht neben der riesigen, gut ein Hektar großen Baugrube für das „Arrial“ keinen Hehl daraus, dass ihn der Schub für die Gewerbeentwicklung vergnüglich stimmt. „Ihre Investitionen in den neuen Firmenhauptsitz in der Parkstadt Schwabing sind ein wichtiges Zeichen für die Zukunftsfähigkeit des Münchner Wirtschaftsstandortes.“ Arri sei ein wesentlicher Teil der Münchner Stadtgeschichte, „in guter familienunternehmerischer Tradition“.

Die Firma feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen; vor allem die Entwicklung der Kamera Arriflex setzte von 1937 an Maßstäbe in der Filmwelt. Nach negativen Bilanzen nahm das Geschäft vor sieben Jahren mit Millionen-Investitionen in digitale Kameratechnik wieder Fahrt auf. Es gibt vier Unternehmensteile: Kamera-Systeme, Beleuchtungstechnik, Mediendienstleistung und Bildgebung für medizinische Anwendungen. Den Umzug von der Türkenstraße in die Parkstadt nennt Vorstand Pohlman einen „Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens“. Wobei er erneut betont, dass Arri das Stammgelände nicht verkaufen werde, sondern moderat umgestalten und vermieten wolle.

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Versenkt für die Nachwelt: Arri-Vorstand Jörg Pohlman belädt mit Bürgermeister Josef Schmid, Architekt Achim Hoffmann und Azubi Felix Mayer (v. re.) eine Kiste als symbolischen Grundstein.(Foto: Catherina Hess)

Die neue Firmenzentrale soll ein viergeschossiger, U-förmiger Komplex mit 20 000 Quadratmetern Nutzfläche für 600 Mitarbeiter werden. Der Eigentümervertreter der Beteiligungsgesellschaft, Christoph Stahl, beziffert das Investment in den Neubau auf 40 Millionen Euro. Die Längsblöcke in Ost-West-Ausrichtung erhalten eine anthrazitfarbene Ziegelfassade; zwei schmale Querbauten aus einer Stahl-Glas-Konstruktion gliedern die Anlage im Inneren in drei Höfe; verantwortlich für das Projekt zeichnet das Gräfelfinger Architekturbüro Hoffmann & Amtsberg. Die Rohbau-Fertigstellung wird für Ende 2017 angepeilt; im Dezember 2018 sollen die ersten Abteilungen einziehen.

Indes ist das nur der erste Bauabschnitt. Ein westlich angrenzendes Grundstück, auf dem sich eine Kanalbetriebsstation der Stadtentwässerung befindet, hat sich Arri bereits für einen Erweiterungsbau gesichert. Laut Architekt Achim Hoffmann sind 4000 Quadratmeter Nutzfläche für den noch jungen Geschäftsbereich der Kamera-Systeme für medizinische Zwecke vorgesehen. Der Baubeginn ist noch offen. Für die Gäste der Grundsteinlegung gibt es unterdessen nur einen Makel auf der neuen Praline für die Parkstadt: Ein Kino, wie am Stammhaus in der Türkenstraße, soll es nicht geben. „Dafür reichte das Budget nicht aus“, sagt Eigentümervertreter Stahl.